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Stress und Burnout bei Frauen 45+: Akku leer?

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Stress: der ganz normale Zustand? Du funktionierst. Du organisierst. Du denkst mit. Du kümmerst dich. Vielleicht um deinen Job, vielleicht um Kinder, Eltern, Partnerschaft, Haushalt, Ehrenamt, Freundschaften – oder um alles gleichzeitig. Von außen sieht es oft so aus, als hättest du alles im Griff. Innerlich fühlt es sich aber vielleicht ganz anders an: leer, erschöpft, dünnhäutig, fremd in deinem eigenen Leben.

Gerade Frauen ab 45 stehen oft an einem besonderen Punkt. Viel Erfahrung, viel Verantwortung, hohe Ansprüche an sich selbst – und gleichzeitig körperliche Veränderungen, Umbrüche, Abschiede und Neuanfänge. Kein Wunder, dass Stress hier nicht einfach „ein bisschen viel“ ist, sondern sich manchmal wie ein Dauerzustand anfühlt.

Aktuelle Zahlen zeigen: Stress ist längst kein Randthema. Der TK-Stressreport 2025 berichtet, dass sich zwei Drittel der Menschen in Deutschland häufig oder manchmal gestresst fühlen. Bei Frauen liegt der Anteil mit 71 Prozent deutlich höher als bei Männern mit 60 Prozent.

Auch psychische Erkrankungen zeigen sich bei Frauen stärker in den Fehlzeiten: Laut DAK-Psychreport 2025 entfielen 2024 auf Frauen 431 Fehltage je 100 Versicherte, bei Männern waren es 266. Interessant auch die Vergleiche bei den Arbeitsunfähigkeitstagen aufgrund von Burnout und Depression, die ähnliche Ergenisse zeigen.

Dazu kommt: Frauen leisten weiterhin deutlich mehr unbezahlte Sorgearbeit. Das Statistische Bundesamt beziffert den Gender Care Gap für 2022 auf 44,3 Prozent – Frauen übernehmen also im Durchschnitt rund neun Stunden pro Woche mehr unbezahlte Arbeit als Männer. Dies ist einer der vielen Stress-Faktoren, die gerade Frauen im Alltag erleben.

Da ist nicht „nur Haushalt“. Da ist mentale Last. Verantwortung. Unsichtbare Planung. Und manchmal genau der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt.

Woran erkennst du einen Burnout?

Burnout ist nach Definition der WHO ein Syndrom infolge von chronischem, nicht erfolgreich bewältigtem Arbeitsstress. Es zeigt sich vor allem durch drei Merkmale: tiefe Erschöpfung, innere Distanz oder Zynismus gegenüber der Arbeit und ein Gefühl verringerter Leistungsfähigkeit. (who.int) Umgangssprachlich verwenden wir Burnout oft weiter – etwa für familiäre Dauerüberlastung oder Care-Arbeit. Fachlich lohnt es sich aber, genau hinzuschauen.

Warnsignale eines Burnout können sein:

Du bist müde, aber Schlaf erholt dich nicht mehr.
Du bist schneller gereizt oder den Tränen nahe.
Du ziehst dich zurück, obwohl du Nähe brauchst.
Du machst weiter, obwohl dein Körper längst „Stopp“ sagt.
Du empfindest Dinge, die dir früher wichtig waren, als sinnlos.
Du hast Konzentrationsprobleme, Schlafstörungen, Herzklopfen, Magenbeschwerden oder Kopfschmerzen.

Wichtig: Nicht jedes Erschöpftsein ist Burnout. Manchmal stecken Depressionen, Angststörungen, Schilddrüsenprobleme, Eisenmangel, hormonelle Veränderungen oder andere medizinische Ursachen dahinter. Gerade rund um Perimenopause und Menopause können Schlafstörungen, Hitzewallungen, Stimmungsschwankungen und Erschöpfung zusätzlich belasten. Die Lancet-Menopause-Serie 2024 betont, wie wichtig gute Information, empathische medizinische Begleitung und passende Unterstützung im Alltag sind. (thelancet.com)

Was hilft präventiv – und was eher nicht?

Prävention beginnt nicht erst beim Zusammenbruch. Sie beginnt dort, wo du aufhörst, deine Erschöpfung schönzureden.

Hilfreich ist: Pausen ernst nehmen. Grenzen benennen. Schlaf schützen. Bewegung einplanen. Hilfe annehmen. Deine eigenen Bedürfnisse nicht erst dann beachten, wenn sie laut schreien.

Weniger hilfreich ist: noch effizienter werden wollen, wenn dein Problem längst Überlastung ist. Noch eine App. Noch ein Kurs. Noch ein To-do-System. Noch mehr Selbstoptimierung. Manchmal ist nicht deine Organisation das Problem, sondern die Menge dessen, was du trägst.

5 stärkende Entspannungs- und Erholungsmöglichkeiten

Die ehrliche Mini-Pause

Setz dich für drei Minuten hin. Kein Handy. Kein Podcast. Kein „nur schnell“. Spüre deine Füße auf dem Boden und frage dich: Was ist gerade da? Einatmen. Ausatmen. Diese Mini- Achtsamkeitspause kann ein erster Ausstieg aus dem Autopiloten sein.

Bewegung ohne Leistungsziel

Ein Spaziergang, leichtes Radfahren, Tanzen in der Küche. Bewegung hilft dem Nervensystem, Stresshormone abzubauen. Es muss nicht perfekt sein. Es muss nicht messbar sein. Es darf einfach guttun. In die Natur zu gehen, tut besonders gut.

Schlaf als nicht verhandelbare Ressource

Schlaf ist kein Luxusprojekt. Du bist nich schwach, wenn du früh schlafengehst und für dich sorgst. Dein Schlaf ist Reparaturzeit. Versuche, abends Reize zu reduzieren: weniger Nachrichten, weniger Bildschirm, weniger spätes Grübeln. Nicht als Regel-Diktat, sondern als freundliche Einladung an dein Nervensystem. Es hilft außerdem die Helligkeit herunter zu regeln, um dem Körper zu signalisieren, dass es Zeit ist zu ruhen.

Stärken statt Selbstkritik

Hier kommt die Einladung zum Perspektivwechsel. Frage dich: Welche Charakterstärken machen mich aus? Welche meiner Stärken ist gerade überstrapaziert? Disziplin oder Verantwortungsgefühl? Teamfähigkeit? Freundlichkeit und Fürsorge? Genau diese schönen Qualitäten können im Zuviel erschöpfen. Vielleicht braucht deine Superpower gerade eine Schwester: Besonnenheit, Selbstmitgefühl oder Mut zum Nein. Grenzen setzen. Möglicherweise kommt das MBSP Programm genau richtig.

Verbindung suchen

Stress wird schwerer, wenn du ihn allein trägst. Sprich mit einer Freundin, einer Ärztin, einem Coach, einer Therapeutin. Nicht erst, wenn nichts mehr geht. Verbundenheit ist kein Zeichen von Schwäche. Sie ist eine Form von weisem Umgang mit dem Druck. Du bist nicht allein. Wohltuende Gespräche können Orientierung geben und als ersten Schritt enorm entlasten.

Wann solltest du ärztliche Hilfe suchen?

Bitte suche ärztliche und/oder psychotherapeutische Unterstützung, wenn deine Erschöpfung über Wochen anhält, du kaum noch schlafen kannst, Panik, starke Niedergeschlagenheit oder körperliche Beschwerden auftreten, du dich nicht mehr arbeits- oder alltagsfähig fühlst. Hole dir unbedingt Hilfe, wenn du den Gedanken hast, nicht mehr leben zu wollen. Dann ist es höchste Eisenbahn – über Hausarztpraxis, ärztlichen Bereitschaftsdienst oder in akuter Gefahr den Notruf.

Du musst nicht warten, bis du zusammenbrichst. Du darfst früher ernst nehmen, was in dir nicht mehr weiterkann.

Vielleicht ist der erste Schritt heute ganz klein: eine Pause. Ein Nein. Ein Arzttermin. Ein ehrliches Gespräch. Ein Spaziergang. Eine Hand auf dem Herzen.

Und vielleicht ist genau das kein Aufgeben, sondern dein Anfang.

Über mich
Hallo, ich bin Sabine
Ich bin systemischer Coach, hinterfragende Zuhörerin und wert­schätzen­de Sparrings­partnerin mit einem Faible fürs Praktische.

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