Selbsthilfe ist die Fähigkeit, sich am eigenen Kragen zu packen und -tada- für sich gut zu sorgen, vor allem wenn es einem schlecht geht. Nein, es ist keine Plattitüde: wo die Sonne scheint, entsteht auch Schatten. Im echten Leben gehören die trüben Tage genauso dazu, wie solche an denen wir voller Energie sind und die Welt am liebsten umarmen würden. Die gute Nachricht ist, dass die trüben Phasen genauso vergehen wie (leider) die helleren.
Innere Regengebiete gehören zum Leben. Ohne den Kontrast durch sie würden wir nicht mehr wahrnehmen können, wann wo und was uns und unser Er-Leben zum leuchten bringt. Die Regengebiete ziehen weiter, soweit so klar. Nur was tun, wenn ein verregneter Sommer daraus wird?Statt aber die Hände defätistisch in den Schoß zu legen, lohnt es sich zu überlegen, wie ein Sicherheitsnetz für trübe Tage aussehen könnte. Eine Art Regenschirm. Wünschenswert ist, wenn solche ein Regenschutz einerseits groß genug und andererseits stabil konstruiert ist.
Okay. Genug der Bilder und vorweg eine essentielle Botschaft: Solltest du dich in einer akuten psychischen Krise befinden, dann suche dir ohne Umschweife professionelle Hilfe in Deutschland gibt es das Bundesweite Krisentelefon mit der Rufnummer 0800/111 0 111 oder 0800/111 0 222. Regionale Krisendienste und Krankenhäuser können dir ebenso persönlich weiterhelfen. In Berlin ist es zum Beispiel der Berliner Krisendienst.
Es gibt zwei Faktoren, die dich bei trüber Stimmung unterstützen können: Einmal sind da die Menschen in deinem Umfeld, an die du dich wenden könntest. Und da wären die Dinge, die du selber für dich tun könntest, damit es dir besser geht. Im folgenden Beitrag geht es um eine Art persönliche Gebrauchsanweisung. Von dir erstellt. Für dich.
Der Auftakt zur Selbsthilfe
Schaufel´ dir zunächst einen Moment frei, an dem du möglichst nicht gestört wirst. Mache am besten dein Handy leise. Jetzt ist Zeit – nur für dich. Zeit wahrzunehmen.
Nimm drei tiefe Atemzüge.
Atme ein und spüre deinen Atem.
Atme aus und werde ruhig.
Atme ein und schenke dir Zeit.
Atme aus und lasse los.
Atme ein und komme ganz bei dir an.
Atme aus und spüre dich voll und ganz.
Fangen wir also an. Welche Dinge kannst du für dich tun, damit es dir an trüben Tagen wieder ein kleines wenig besser geht? Was hellt dein Gemüt ein kleines bisschen auf? Dinge, an die du im Notfall vielleicht gar nicht denkst.
Selbsthilfe Tipp Nr. 1: Tue dir selbst Gutes
Erstelle eine Liste mit der Überschrift: „Dinge, die ich für mich tun kann, damit es mir besser geht“. Barbara Fredrickson, eine der renommiertesten Forscherinnen der Positiven Psychologie hat einen ähnlichen Impuls entwickelt: das „Positive Portfolio“. Es darum, sich Sachen zu notieren, die gute Laune machen. Was bereitet dir Freude? Was macht dich neugierig? Worauf wärst du stolz? Denke an all die Sachen, die deine Stimmung aufhellen: tanzen, kreativ sein, ein Puzzle machen, lesen, spazieren gehen, mit einer Freundin telefonieren…
Vervollständige die Liste nach und nach. Lass dir für den Anfang mindestens drei bis fünf Sachen einfallen.
Selbsthilfe Tipp Nr. 2: Identifiziere Menschen, die dir guttun
Nun wende dich der nächsten Frage zu: An welche Menschen aus der Familie, Freundeskreis, professionell usw. könntest du dich jederzeit wenden?
Diese Frage ist, wenn es dir nicht so gut geht, möglicherweise nicht so leicht zu beantworten. Viele Frauen haben zwar viele Bekanntschaften, aber niemanden, den sie jederzeit kontaktieren würden. In einer ruhigen Minute wie dieser, kommst du aber wahrscheinlich auf unterschiedliche Möglichkeiten. Also, an wen könntest du dich wenden?
Welche Menschen stünden privat oder professionell zeitnah zur Verfügung, wenn es mal besonders trübe aussieht?
Nimm dir in den nächsten Tagen Zeit und sprich die Menschen an, die dir eingefallen sind. Vielleicht magst du dies mal ansprechen? Du könntest deinerseits anbieten, als eine Art Notfall-Buddy zur Verfügung zu stehen.
Drücke deine Wertschätzung aus und bedanke dich für die verlässliche Beziehung zu den Menschen, die für dich da sein können und wollen. Wenn dir das im Moment irgendwie unangenehm vorkommt, dann kannst du auch einen Dankbarkeits-Brief schreiben. Selbst wenn du den nicht abschickst, kann pure Magie geschehen.
Selbstmitgefühl: eine Form der Selbsthilfe
An trüben Tagen ist Selbstmitgefühl – nicht Larmoyanz – eine wichtige Ressource. Ignoriere nicht die trüben Momente und Phasen. Nimm sie ernst und lasse die Tränen fließen. Realisiere gleichzeitig, dass du nicht allein bist. Es gehört zum Leben und zum Menschsein dazu, dass es diese Zeiten gibt. Dies zu akzeptieren, ist die halbe Miete. Sei mitfühlend mit dir selbst. Und schließlich sprich mit dir, wie du mit einer guten Freundin reden würdest. Nimm dich selbst in den Arm. Und wisse: es kommen auch wieder andere, gute Zeiten.
Innere Regengebiete gehören zum Leben. Wie sehen dein Sicherheitsnetz bzw. dein Regenschutz aus? Was braucht es, damit du dich (wieder) aufgehoben fühlen kannst? Was und wer könnte dir guttun?
Als Coach stehe ich dir sehr gerne mit klarem Blick und offenem Herzen zu Verfügung. Mein Anliegen ist es, mit dir Möglichkeiten zur Selbsthilfe auszuloten. Scheue dich nicht, Kontakt aufzunehmen. Manchmal braucht es „nur“ jemanden, die achtsam und bedingungslos zuhört.