Licht und Natur sind wirkungsvoller, als häufig angenommen. Kennst du auch die Tage, an denen du dich ausgelaugt, irgendwie innerlich müde fühlst? Und dies, obwohl objektiv nichts „falsch“ ist. Du funktionierst, du erledigst Dinge, hältst durch – und trotzdem fehlt etwas? Im Coaching schauen wir dann oft nach innen: auf Gedanken, Muster, Stressoren. Was dabei leicht übersehen wird: Unsere Psyche lebt nicht im luftleeren Raum. Sie reagiert permanent auf ihre Umgebung. Das hat nicht zuletzt auch die Forschung erkannt und das bekannte PERMA Model von Martin Seligman durch +4 weitere Faktoren ergänzt: Gesundheit, Mindset, ökonomische Sicherheit und die Umwelt. PERMA+4 also.
Zwei der stärksten, meist unterschätzten Einflussfaktoren sind Licht und Natur. Sie werden seit Jahren wissenschaftlich untersucht. In diesem Blogartikel will ich mit dir ein paar Erkenntnisse teilen.
Natürliches Licht – mehr als nur Helligkeit
Natürliches Tageslicht ist ein essentieller Taktgeber für unser Nervensystem. Es reguliert den zirkadianen Rhythmus und damit Schlaf, Wachheit, Hormonbalance und emotionale Stabilität. Menschen, die regelmäßig ans Tageslicht kommen, schlafen besser, zeigen weniger depressive Symptome und sind leistungsfähiger.
Mohamed Boubekri, ein Architektur- und Umweltforscher, konnte zeigen, dass Büroangestellte mit Fenstern durchschnittlich 46 Minuten länger und besser schlafen als Kolleginnen ohne Tageslicht. Auch die Stimmung und Konzentrationsfähigkeit waren signifikant verbessert.
Das Entscheidende: Unser Gehirn reagiert nicht nur auf „hell“, sondern auf das vollständige Lichtspektrum des Tageslichts – inklusive Blauanteilen am Morgen und wärmeren Wellenlängen am Abend. Künstliches Licht kann unterstützen, aber nicht vollständig ersetzen. Tatsächlich werden zunehmend kritische Stimmen über das LED-Licht laut.
Natur – evolutionär die „richtige“ Umgebung
Dass Natur beruhigt, ist kein romantischer Gedanke, sondern neurobiologisch gut belegt. Wissenschaftler haben längst aufgezeigt, dass In einer anderen Studie haben die Wissenschaftler festgestellt, sich die Liegezeiten der Patienten im Krankenhaus verkürzten, wenn sie ins Grüne schauen konnten. Roger Ulrich zeigte bereits in den 1980er-Jahren, dass sie sich schneller erholen und weniger Schmerzmittel benötigen. Die Natur kennt keine rechten Winkel. Sie wirkt sich positiv auf unser körperliches und mentales Wohlbefinden aus. Der Kontakt mit Natur senkt Cortisol, Blutdruck und Muskelspannung und aktiviert den beruhigenden, heilenden Anteil des Nervensystems.
Spannend ist: Diese Effekte treten auch bei Naturelementen im Innenraum auf. Pflanzen, Holz oder organische Formen (sogar Steine) wirken messbar stressreduzierend – vorausgesetzt, sie werden bewusst integriert.
Licht und Naturelemente sind wichtige Booster der Psyche
Im Coaching und in meinen Workshops rege ich Teilnehmende an, ihre Umgebung als Co-Coach zu betrachten. Welche Umgebung tut ihnen gut? Wie gelingt es, möglichst viel Tageslicht zu integrieren und warme Lichtquellen zu installieren? Wo haben Pflanzen und andere Naturelement Platz? Es geht nicht um architektonische Wunderwerke. Das psychologische Wohlbefinden soll nicht durchoptimiert werden. Gestalte deine Umwelt entspannend und wohltuend. Nervensystem-freundlich.
Lieblings Licht und Natur Tipps für deine Arbeits- und Wohnräume
1. Tageslicht am Morgen priorisieren
Schon 10–20 Minuten natürliches Licht am Vormittag stabilisieren den Schlaf-Wach-Rhythmus, balancieren die Hormone und regen den Stoffwechsel an. Hole dir gleich morgens deine Portion Tageslicht- entweder am offenen(!) Fenster, auf dem Balkon oder beim Spaziergang zum Bäcker.
2. Warmes Licht am Abend (2700 K oder weniger)
Reduziert neuronale Aktivierung und erleichtert den Übergang in Ruhe. Lass deinen Körper wissen, dass es Zeit zum Runterfahren wird. Reduziere die Lichtquellen. Mache dir eine Kerze an, oder zwei. Oder den Kamin, wenn du einen haben solltest. Blaues LED-Licht ist eher nichts für den Abend und ehrlicherweise fördert es auch am Tag Kopfschmerzen & Co.
3. Pflanzen und ein Stück Natur gehören in jedem Raum
Hole dir die Natur nach drinnen, zum Beispiel mit einer großen Pflanze. Du brauchst dafür nicht unbedingt einen grünen Daumen. Es gibt sehr genügsame Gewächse. Schau einfach, was dir gefällt. Weitere Naturelemente für Innenräume können Fundstücke aus dem Wald sein: Holz, Gräser. Oder Steine vom Strand.
4. Ermögliche dir Blicktiefe
Das sagt die Forschung: Bilder oder Fensterblicke mit Horizont, Wegen oder Wasser senken Stressreaktionen. Nun ist genau dies gerade in Bürogebäuden und in innerstädtischen Wohnlagen nicht immer möglich. Vielleicht kannst du dennoch an der ein oder anderen Stelle dafür sorgen, dass du vom Bett, vom Sofa oder vom Tisch aus ein wenig in die Ferne schauen kannst.
Ich hatte als Sozialarbeiterin ein Büro in einem winzigen Innenhof, Erdgeschoss. Meinen Tisch habe ich direkt zum Fenster gestellt – mit Blick nach draußen. Für meine Besprechungen habe ich eine kleine offene Sitzecke arrangiert. Solltest du in einem Großraumbüro arbeite, versuche dich möglichst einem Fenster zuzuwenden.
5. Gönne dir regelmäßige Mikro-Naturpausen
Genehmige dir kurze Aufenthalte draußen – selbst mitten in der Stadt. Schau in den Himmel, beobachte die Vögel im Baum. Betracht den nächstgelegenen Busch. Das kann deine Stimmung verbessern und dich bei der Emotionsregulation unterstützen. Nutze solch einen Date mit der Natur wo auch immer du bist. Die Wirkung liefert dir langfristig wertvolle Energie.
Gestalte bewusst deine Umgebung- für dich!
Wer sollte die Verantwortung für dein psychisches Wohlbefinden übernehmen, wenn nicht du? Ganz ehrlich: es entsteht nicht ausschließlich durch PERMA (positive Gefühle, Engagement, Beziehungen, Sinnerfüllung, Erfolge). Kümmere dich um diese Bausteine des gelingenden Lebens. Dein Wohlbefinden entsteht auch durch Rahmenbedingungen, die deine Umwelt positiv beeinflussen. Es gibt genug da draußen, was dein Nervensystem ständig herausfordert.
Licht und Natur sind keine Extras. Sie sind Grundlagen. Und manchmal beginnt Veränderung mit der Erkenntnis, dass auch die Außenwelt Veränderung braucht.
Wie immer gilt: Melde dich gerne bei mir, wenn du Redebedarf hast oder an einem meiner Angebote interessiert bist.