Ist das Kunst oder kann das weg? Ich mag diesen Spruch, denn er bringt den Kunstbegriff mit einem Lächeln auf den Punkt. Was ist denn schon Hochkultur und was nicht? Ist das denn überhaupt die Frage?
Mich interessiert, was Kunst vermag: berühren, aufrütteln, inspirieren oder zum Ausmisten motivieren. Nicht alles was als Kunst bezeichnet wird, macht was mit uns. Und dennoch gibt es so viele Beispiele für die Wirkung von Kunst.
Du hörst ein Musikstück, das dich sofort berührt. Oder du gehst durch eine Ausstellung und plötzlich bleibt dein Blick an einem Bild hängen.
Vielleicht schreibst du ein paar Zeilen in dein Notizbuch und merkst, wie innerlich etwas räsoniert.
Kunst kann genau das: Sie bewegt etwas in uns.
Was lange als kultureller Luxus galt, wird inzwischen auch wissenschaftlich unter die Lupe genommen. Immer mehr Studien zeigen, dass Kunst nicht nur inspiriert, sondern messbare Effekte auf unsere Gesundheit und unsere Lebensqualität hat. Auch eigene kreative und künstlerische Aktivitäten.
Kunst hat das Zeug, ein überraschend wirkungsvoller Beitrag zu einem langen und vor allem gesunden Leben zu sein.
Longevity bedeutet mehr als nur lange leben. Wir leben heute länger als jede Generation vor uns. Doch eine entscheidende Frage bleibt: Wie viele dieser Jahre verbringen wir gesund, mental klar und zufrieden? Hier kommt der Begriff „Healthspan“ ins Spiel – also die Zeitspanne unseres Lebens, in der wir uns körperlich, mental und emotional wohlfühlen.
Neben Bewegung, Ernährung und Schlaf rücken mittlerweile auch Faktoren wie Sinn, Kreativität und soziale Verbindung stärker in den Fokus der Forschung. Und genau dort taucht Kunst an einer überraschenden Stelle auf.
Was die Forschung über Kunst und Gesundheit herausgefunden hat
Eine der führenden Wissenschaftlerinnen auf diesem Gebiet ist die britische Psychobiologin Daisy Fancourt, die am University College London forscht. Im Auftrag der Weltgesundheitsorganisation, WHO wurde unter ihrer Leitung ein umfassender Forschungsbericht erstellt. Im Endeffekt, wurden mehr als 3000 Studien zu Kunst und Gesundheit analysiert.
Die Forschenden fanden Hinweise darauf, dass generell künstlerische Aktivitäten wohltuende Wirkungen zeigen. Dazu gehören sowohl das Wahrnehmen von Kunst als auch das eigene kreative Tun. Kunst vermag es unter anderem
• Stresshormone zu reduzieren
• das Immunsystem positiv zu beeinflussen
• depressive Symptome zu verringern
• kognitive Fähigkeiten zu stärken
Kurz gesagt: Kunst wirkt auf mehreren Ebenen gleichzeitig.
Warum Kunst gerade für Frauen 45+ so spannend ist
Viele Frauen erleben um die Lebensmitte eine Phase der Neuorientierung, seelisch und körperlich. Und jede Frau erlebt dies auf ihre eigene Weise.
Das kann verunsichern – eröffnet aber gleichzeitig auch Raum für entscheidende Fragen:
Wie will ich mein Leben zukünftig gestalten?
Was tut mir wirklich gut?
Was bedeutet Sinn und Erfüllung für mich?
Kunst und Kreativität kann in dieser Lebensphase zu einer echten Ressource werden, denn sie
• fördert Selbstreflexion
• spricht die emotionale Ausdrucksfähigkeit an
• aktiviert das Gehirn durch neue Erfahrungen und Perspektiven
• schafft Momente von Flow und Sinn
Oder anders gesagt: Kunst ist kein Luxus. Sie ist ein erstaunlich wirksamer Gesundheitsfaktor.
Kunst wirkt wie ein Multivitamin für dein Wohlbefinden
Ein spannender Punkt aus der Forschung von Daisy Fancourt. Künstlerische Aktivitäten aktivieren gesundheitsfördernde Prozesse und damit deinen „Healthspan“ auf mehreren Ebenen gleichzeitig.
1. Emotionale Regulation
Beim Malen, Schreiben oder Musikhören kannst du Gefühle verarbeiten. Auch die Kunstwerke anderer können für dich wie emotionale Brückenbauer ins Innere bedeuten. Kunst öffnet. Kreativität bereichert.
2. Stressabbau
Kreative Tätigkeiten senken nachweislich den Stresslevel. Schon vor Jahren hat der Wissenschaftler Pennebaker die gesundheitsrelevanten Auswirkungen von Schreiben untersucht beim Blutdruck, Puls, Anspannung, Krankheitsverläufen usw. Was tun Menschen zu Entspannung? Sie schauen einen Film, gehen in ei Konzert, besuchen eine Ausstellung. Intuitiv zum verbesserten Healthspan.
3. Soziale Verbindung
Viele Kunstformen finden in Gemeinschaft statt – etwa in Kursen, Chören oder Workshops. Spätestens seit der Harvard Studie von Robert Waldinger wissen wir, wie positiv sich jede Form der Beziehungspflege auf die eigenen Gesundheit auswirkt.
Gerade Frauen, die sich jenseits der Rushhour des Lebens befinden, tanken regelrecht ihre Lebensgeister wieder auf, in dem sie selbst kreativ werden und/oder die Kunst anderer genießen.
4. Kognitive Aktivität
Schlussendlich bietet dir jeder Kreativitätsprozess einen Anreiz, die Neuroplastizität deines Gehirns anzustoßen. Du spielst geistig mit Assoziationen. Du nimmst bewusst wahr, achtest auf Details, spürst nach. Du entdeckst Neues, Unvorhergesehenes und Ungewohntes – und vieles mehr. Eine wunderbare Abenteuerreise in die kreative Zone!
5 einfache Wege, wie du Kunst in dein Leben integrieren kannst
Die gute Nachricht ist: Du musst weder Künstlerin sein noch Talent haben. Schließlich geht es nicht um Perfektion oder Hochkultur. Es geht ums Erleben. Hier habe ich ein paar Impulse für dich, die sich im Alltag gut umsetzen lassen.
1. Plane regelmäßige Kulturmomente
Wie wäre es damit? Ein Museumsbesuch. Ein Konzert. Eine Lesung.
Studien zeigen, dass bereits regelmäßiger Kunstkonsum das Wohlbefinden steigern kann. Wenn du nicht alleine losziehen magst, dann findest du bestimmt jemanden, der mitkommen mag. Du kannst dich interessanten Führungen anschließen oder sogar kulturelle Kurse belegen.
Vielleicht hilft dir ein kleiner Trick? Lege einmal im Monat einen festen „Kunsttermin“ fest.
2. Beginne eine kleine kreative Praxis
Kreativität ist wie ein Muskel – sie wächst, wenn du sie nutzt. Hier sind ein paar niedrigschwellige Möglichkeiten:
• Journaling oder Kreatives Schreiben
• Aquarellmalerei
• Fotografie
• Collagen gestalten
• frei Tanzen
Schon 20 Minuten kreative Zeit in der Woche können dich spürbar entspannen. Es kann helfen, wenn du dir auch hier eine Verabredung mit deinem Künstler-Ich ins Handy einstellt. Mache dieses zu einem fixen Termin.
3. Verbinde Kreativität mit Gemeinschaft
Soziale Beziehungen gehören zu den stärksten Longevity-Faktoren überhaupt. Wie schon mehrfach erwähnt, kannst du Kunst und Gemeinschaft verbinden.
• Lust auf einen Malkurs?
• Es gibt Schreibgruppen für fast jeden Geschmack und jeden Bedarf.
• Wie wäre es mit einem Laien Chor?
• Da wären auch die gemeinsamen Museumsbesuche mit Freundinnen
Gemeinsam kreativ zu sein verstärkt die positiven Effekte auf dein Wohlbefinden und deine Gesundheit.
4. Nutze Kunst als emotionales Ventil
Viele Frauen tragen viel Verantwortung – beruflich wie privat, Stichwort Care-Arbeit, Kinder, Eltern, Karriere.
Kunst kann ein Raum sein, in dem du einfach bei dir selbst ankommst. Endlich. Lasse für eine kurze Zeit jeden Anspruch auf Leistung los. Verabschiede all die Erwartungen, die du an dich hast. Schicke sie in den Kurzurlaub.
Du könntest
• in den Morgenseiten deine Gedanken frei aufschreiben.
• deine Gefühle malen – wie ein Kind.
• Musik hören, die dich wirklich berührt.
Analysiere nicht. Drücke dich einfach aus. Es geht darum, die eigene Handbremse zu lösen und nicht zu bewerten. Es geht ums Tun und das Erleben an sich.
5. Erlaube dir wieder Anfängerin zu sein
Kinder sind den ganzen Tag kreativ. Sie betrachten die Welt mit ihrem Anfängergeist, lassen sich inspirieren und legen los, selbst zu kreieren. Viele Erwachsene hören auf kreativ zu sein, weil sie denken, sie seien „nicht gut genug“.
Doch genau darum geht es nicht. Für dein Gehirn und dein Wohlbefinden ist entscheidend, dass du Neues ausprobierst und neugierig bleibst. Gebe dir die Erlaubnis, spielerisch zu experimentieren. Das Ergebnis ist völlig zweitrangig.
Vielleicht ein kleiner Impuls zum Schluss
Frage dich: Wann hast du das letzte Mal etwas Kreatives nur für dich gemacht?
Nicht für die Arbeit. Nicht für andere. Sondern einfach aus Freude.
Vielleicht liegt in genau diesen Momenten ein kleiner Schlüssel zu einem langen, gesunden und erfüllten Leben. Magst du es herausfinden?
Oder anders gesagt:
Kunst verlängert möglicherweise nicht nur dein Leben – sondern vor allem die Qualität deiner Jahre, weil du sie gesünder erlebst. Wenn du magst, dann lass uns reden.